Wasser

Hat geregnet heute, war schon nach einer Stunde komplett nass. Insgesamt waren es dann 5 Stunden. Im Zimmer habe ich aus einem Schrank, Verlängerungskabel und Fön eine Trockenkammer gebastelt. Am liebsten würde ich mich da auch reinsetzen…

Das Hotel heute hat ein Thermalbad, heisst hier Gesundheitsmeer; gross, überall mit Wassersprudel und -düsen, und voll Salzwasser. Konnte mir glücklicherweise eine Badehose mieten. In Japan wird vieles – in Hotels, Restaurants, überall – mit liebevollen Schildern erklärt. In diesem Bad gab es alleine in der Umkleide bestimmt ein halbes Duzend, war gar nicht so einfach die zu deuten:

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Bücher

Bin wieder ans Ende der Welt gereist (7 Stunden Zugfahrt), an den Ort, den ich vor einer Woche verlassen haben. Morgen geht es weiter.

Die Ausrüstung ist unverändert, einzig die Bücher habe ich ausgetauscht, bisher gelesene zurückgelassen: Geschichte Japans, Grundgesetz, Stolz und VorurteileÜber die Demokratie in Amerika, Erzählungen von TschechowDas Unbehagen in der Kultur von Freud und Cäsars Bürgerkrieg. Alles sehr empfehlenswert. Jetzt mit dabei sind Klassische deutsche KurzgeschichtenZhuangzi und Über den Umgang mit Menschen von Knigge.

Pause

Es regnet, gestern ging es gut, bin tropfnass und glücklich nach 6 Stunden wandern im schönen Yunotsu-Onsen, einem Ort mit heissen Quellen und vielen Gasthäusern, angekommen. Heute habe ich bereits nach 2 Stunden die Wanderung beenden müssen, der Regen war Ok, aber der Wind zu stark.

Morgen beginnt in Japan die Golden Week: Zwischen dem 29. April und 5. Mai liegen vier Feiertage. Und da in Japan alle Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, am nächsten Werktag nachgeholt werden, hat Anfang Mai das ganze Land Urlaub und ist unterwegs. Ich werde die Zeit mit meiner Familie verbringen, erst in Okinawa (einer warmen Insel im Süden von Japan) und dann in Nara. Die Wanderung geht anschliessend weiter, in der Golden Week wären freie Hotels ohnehin kaum zu finden.

Zeit für einen kleinen Rückblick: Alles war gut. Jedes einzelne Essen und jede Unterkunft. Jeder freundlich. Gelaufen bin ich rund 210 Kilometer, 3 Etappen musste ich aussetzen oder frühzeitig abbrechen (Füsse, Hundebiss, Wetter) – ich werde mein „Wanderkarma“ also noch etwas auffüllen müssen.

Flow (2)

War heute noch in einem winzig kleinen Isakaya (居酒屋, sehr frei übersetzt Essen-Trinken-Spass). Alle sehr nett, habe die Karte nicht verstanden, dann gefragt, was Osusume (おすすめ, Empfehlung des Hauses) sei. Die Antwort habe ich auch nicht verstanden, und – gemäss dem Motto des heutigen Tages – bestellt.

Es war dann ein Fisch, den man teils roh, teils frittiert, komplett essen konnte. Hat sehr gut geschmeckt, überraschenderweise auch der Kopf. Es war auch anschliessend noch sehr nett, erstaunlich wie gut wir uns verstanden haben. Wie immer ohne Englisch; das hat (mit einer Ausnahme, eine Managerin eines kleinen Hotels, die auch im Ausland lebte) bisher niemand mit mir gesprochen.

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Flow

Erlebe schöne Tage: Die Wegen sind gut, muss einzig manchmal einen Tunnel oder eine gefährliche Stelle umlaufen, und so geht es etwas im Zick-zack. Heute hat mich ein Mann in seinem Lastwägelchen ein paar hundert Meter mitgenommen – es waren eigentlich nur drei, vier Kurven, aber unüberwindlich, sehr eng, schlicht kein Platz zum Laufen und dazu stark befahren. Für solche Gelegenheiten habe ich Postkarten aus der Schweiz dabei, die ich als Aufmerksamkeit geben kann. Oft bekomme ich etwas zurück, so scheint es in Japan Brauch: Kekse, etwas zu Trinken, eine Tomate.

Gestern war die Strecke etwas über 20 Kilometer; heute am Zielort war ich noch fit, und habe nochmals 10 Kilometer drangehängt, am Ende waren es dann 30 Kilometer. Bin im Fluss, alles fügt sich.

Die Stadt hier, Hamada, gepflegt, mit grossem Hafen und schönen Stränden, hat einen passenden Namen. Sie schreibt sich 浜田. Das zweite Zeichen steht unverkennbar für (Reis-)feld. Das Erste (浜, hama, Strand) besteht wiederum aus zwei Teilen, links zusammengequetschtes Wasser (氵, normal sieht es so aus: 水). Und rechts 兵, Krieger, oben Axt unten Beine. Mm, passt nicht so recht, oder? Ja, das 兵 sieht zwar aus wie das Zeichen für Krieger, ist aber eine vereinfachte Schreibweise von 賓 = Ehrengast.

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Hunde, die bellen, beissen

Auf einige Dinge könnte ich gerne verzichten: Wurde heute früh auf einer Nebenstrasse von drei Hunden verfolgt und auch gebissen. Nichts schlimmes, mehr Kratzer am Knöchel. Junko hat dann geholfen, und die Besitzerin des gestrigen Gasthauses, Danke! Zur Sicherheit war ich im Spital, alles Ok: In Japan gibt es keine Tollwut, und gegen alles andere sollte ich geimpft sein. Das Spital lag im heutigen Zielort, bin gleich da geblieben; Wunden lecken.

Alt und Neu

Gestern war Ruhetag in Hagi, habe da neue Schuhe gekauft, das bequemste Paar ausgesucht. Die sehen jetzt aus wie sie viele Senioren auf der ganzen Welt tragen. Die wissen was gut ist!

Mit denen ging es heute weiter. Etwas mehr als 25 Kilometer, es hat geregnet. Die Gegend hier ist einsam, einmal habe ich rund 3 Stunden, ausser einer Schlange, nichts und niemand gesehen; es hat Häuser und kleine Dörfer, aber man sieht selten Menschen, keine Läden oder gar Schulen. Ein Zug (er hat einen Wagen) fährt ein paar Mal am Tag, darin sitzen aber kaum Passagiere und die Bahnhöfe sind nicht besetzt oder in Stand gehalten. Es gibt Ausnahmen, klar, das Minshuku in dem ich heute untergekommen bin, ist ganz neu, sehr aufmerksam geführt und eingerichtet. Das WC (bzw. dessen Deckel) verbeugt sich wenn man den Raum betritt! Aber ein so neues Haus habe ich heute kein zweites Mal gesehen.

Zum Abendessen gab es viel frischen (Tinten-)fisch, gleich vor dem Haus geangelt. So frisch, dass er sich noch bewegt und die Haut ständig die Farbe gewechselt hat.

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Video des Abendessens

Business-Hotel

Es hat heute gestürmt; Laufen wäre ohnehin nicht gegangen. Der Zug, den ich nehmen wollte, ist daher ausgefallen, am Bahnhof hat man mich zusammen mit zwei anderen Gestrandeten, kurzerhand in ein Taxi gesteckt und das auch bezahlt.

Am Zielort war der Sturm noch stärker, bin ins Hotel, habe mir dort einen Regenschirm ausgeliehen, wollte etwas in der Stadt herumkriechen: Der Schirm ist mit der ersten Böe kaputtgegangen, meine liebe Kappe weggeflogen, ich dachte ins Meer, stand gerade auf einer Brücke. Etwa eine halbe Stunde später (in der Zwischenzeit einen netten Deutschen getroffen), wieder über die Brücke; geschafft, und sehe dort, in einem Strassengraben: die Kappe! Zurück im Hotel, dann im Zimmer: Was fehlt? die Kappe. Sie wurde glücklicherweise kurz darauf im Hotel gefunden.

Apropos Hotel: Japanische Business-Hotels – also solche mit Bett und meist für Geschäftsreisende, in der Nähe eines Bahnhofes – sind mir sehr lieb. Sie sind günstig (das hier kostet mit Frühstück etwa 60 Franken), haben winzige Zimmer, da steckt alles drin. Bei diesem durften sich die Einrichter ausgetobt. Das übliche: Bett und Dusche, dann viele Geräte: WC (beheizt etc.), Fön, Fernseher, Wasserkocher, Klimaanlage, Uhr, Kühlschrank.

Und weiter:

  • Ein Luftbefeuchter
  • Ein Gerät, in das man die Hausschuhe steckt, die dann irgendwie behandelt werden
  • Fernbedienung für Licht und Klimaanlage, und nochmal 3 leere Halter auf der anderen Seite des Bettes, wenn einem die Lage der Fernsteuerungen nicht behagt?
  • Ein „Amusement“-Set: so Metalldingelchen die man auseinandernehmen kann – man stelle sich mal vor, wie lange die in einem europäischen Hotel dort hängen würden…
  • Eine Dartscheibe!

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Nochmals versucht

Ich will die geneigte Leserschaft nur noch ein letztes Mal mit meinem medizinischen Status belästigen. Haben es heute nochmals versucht; um die Schmerzen etwas zu lindern bin ich sozusagen auf Zehenspitzen gelaufen, war keine gute Idee, jetzt tut wirklich alles weh. So sei es denn: Team Realität vertreten durch Haut, Fleisch und Knorpel gewinnt nach kurzem und fairem Kampf klar. Die Spieler Wille, Trotz und Stolz vom Team Plan geben sich geschlagen. Morgen nehme ich ein Taxi zum Bahnhof, und von dort den Zug zum nächsten gebuchten Hotel.

Aus obigen Gründen habe ich mich sehr auf ein heisses Bad gefreut. Aber oh weh, das Bad gab es und es war heiss. Doch bevor man da rein darf, muss man sich an einem Waschplatz blitzblank sauber schrubben. So ist es Sitte, so macht es Sinn. Nun hat es aber da kein heisses Wasser gehabt; kam einfach nichts raus, nur eisiges Bergwasser, so wie ich das sehe noch dazu gekühlt. Kalt war es! und so eine kurze Katzendusche ging nicht, das ganze Ritual musste es sein… Das schöne Hotelzimmer hat die Nummer 313, was kann man da schon erwarten? PS: In Japan ist 4 die Unglückszahl, da sie gleich ausgesprochen wird wie Tod. Die netten Japaner haben der armen Zahl dafür gleich noch eine zweite Aussprache gegeben.

Habe noch die Höhle hier besucht, ist die grösste in Japan. Schön!

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