Auch schön

Ich laufe auch abseits der grossen Städte und hier entvölkert sich das Land langsam: die Dörfer sind sehr ruhig, viele Häuser und manche Schulen verlassen, die Züge leer.

Ich schaue mir diese Orte gerne & lange an. Wer hier wohl gelebt hat? Welche Geschichten sie erlebt haben?

Schilder!

Ich muss gestehen, es war nicht immer so, aber jetzt schon: Ich liebe Schilder! Diese Details, diese Aufmerksamkeit! Könnte sie stundenlange ansehen (wobei hier der Konjunktiv gar nicht zutrifft), und darüber sinnieren, was sie bedeuten, welche Geschichte dahintersteckt, was alles gedacht und gesprochen wurde, bis sie sich am Ende so präsentieren.

Hier einige Fotos dazu von diesem Frühling:

Und hier welche von diesem Herbst:

On the Tōkaidō again

Ich laufe nun seit 35 Kilometer wieder auf dem Tōkaidō, einem Weg, der früher die alte und die neue Hauptstadt Japans miteinander verbunden hat. Einige Streckenteile sind heute grosse Strassen, andere führen durch unscheinbare Wohnquartiere, oder sind nach Erdbeben und Erdrutschen nicht mehr passierbare und wurden durch eine neue Streckenführung abgelöst – oder wurden liebevoll in den alten Zustand versetzt.

Diese Teile sind sehr interessant, da am Wegesrand viele Schilde alles genau erklären, etwa dass die früher hier eingesetzten Träger drei Eigenschaften haben sollten: Stark sein, gute packen können, und eine gute Singstimme haben.

Selten sieht man auf diesen Wegen einzelne Wanderer, eher noch Wandergruppen. Gestern habe ich eine Schlange gesehen, gelb gepunktet sah sie supergiftig aus, wobei die nachfolgende Internetrecherche dann gezeigt hat – und auch etwas enttäuscht –, dass sie harmlos ist.

Diese gepflasterten Wege sind schwierig zu laufen und – gerade gestern, im Nieselregen und Herbstnebel – glitschig: ich bin bestimmt fünf Mal ausgerutscht und hingefallen, und am Abend schmerzen die Knie mehr als üblich.

Am Anfang und Ende durfte ich dann wieder auf meinen Lieblingswegen laufen, durch Dörfer und Städte, an Werkstätten vorbei und Gärten und Schulen (drittletztes Bild). Auch einen bekannten Touristenort habe ich passiert, mit heissen Quellen in einem wunderschönen Tal. Heutzutage mit Schnickschnack-Shops, viel Verkehr und fröhlichen Touristen aus aller Welt. Interessanterweise gefielen mir die anderen Orte auf dem Weg noch besser als dieser. Oder wie Inoue Yasufumi (auch ihm ist ein Schild am Wegesrand gewidmet) hier gedichtet hat: «Pflaumenbäume blühen an neuen Zweigen.»

Am Wasser

Die letzten Tage bin ich etwa 170 Kilometer von Tokio nach Mito gelaufen. Immer auf guten Wegen und oft einem Fluss oder See entlang. Man sieht hier viele Wochenend-Fischer. Wobei, einen gefischten Fisch habe ich nur einmal gesehen – ich glaube das hat alle sehr überrascht, wurde jedenfalls mir viel Staunen & Jubel bedacht.

Passend dazu fliesst durch Mito auch ein kleiner Fluss und es hat einen schönen See. Berühmt ist Mito für seinen Park und weil hier der überaus beliebte Tokugawa Mitsukuni gelebt hat, der sich inkognito durch sein Reich bewegte und dabei ein Quell von Freude war und noch heute ist. Sein Schloss befindet sich direkt vor meinem Hotelzimmerchen (75 CHF pro Nacht):

Vielen Dank

Die Reise nähert sich dem Ende: gestern bin ich mit 26km die letzte längere Strecke gelaufen. Diesen Herbst waren es somit etwa 230km, dieses Jahr 530km und insgesamt 3100km.

Japan, vielen Dank!

PS: ich laufe natürlich auch weiter, jeden Tag und quer durch Tokio. Es gibt hier so viel zu entdecken! Heute etwa ein kleines verstecktes Ramenrestaurant, names Don Carlos – lecker! und mit einem sehr freundlichen, Spanisch sprechenden Besitzer.

Nachtrag: Bin doch noch ein bisschen gelaufen, die erste Strecke der nächsten Wanderung.