Und wie immer zum Schluss, einige kommentierte Bildchen, mit dem Handy aufgenommen.
Kategorie: japan_2025
Wege
Mehr Schilder!
Verkleidung
Ich habe mir meine Wanderkleidung – Hemd, Hose und Jacke – hier in Japan bei einem bekannten Geschäft für ebensolches gekauft, auch mit dem Hintergedanken, ein bisschen weniger aufzufallen.
Hat überhaupt nicht funktioniert! Zum Beispiel hat mich eine Gruppe von Kindern vor ein paar Tagen von Weitem mit einem freundlich gerufenen «Hello!» begrüsst. Wie die das erkannt haben? ich rätsle schon seit Tagen darüber…
Miezekatzen
Bahnhöfe
Von ganz klein und fast vergessen bis ganz gross, halbe Städte: Bahnhöfe in Japan sind ein Fest. Meine Unterkunft ist oft in der Nähe eines Bahnhofs, einerseits weil ich so einfach zu und von meinen Wanderungen fahren kann, und auch weil es um den Bahnhof immer gutes und praktisches Essen gibt. Hier ein mittelgrosser Bahnhof, Miyazaki, gesehen aus dem Hotelzimmerchen. Und daneben ein kleiner in einem Vorort. Und noch eine kleine Touristenattraktion, der südlichste Bahnhof Japans.
Hier ein anderer liebevoll gepflegter Bahnhof, der südlichste bemannte in Japans, man beachte all die wunderbaren Schilder! An diesem Wochenende zu Besuch bei ihm «Big Eye», ein Inspektionszug, den es so nur einmal gibt.
Manchmal fahre ich auch Bus, obwohl – nach so langer Zeit, oje! – ganz alle Zeitpläne, Zahlsysteme und -methoden verstehe ich immer noch nicht.
Knabberzeug
Ich bin jetzt wieder in Tokio, bzw. einem Stadtteil davon im Osten, und habe hier in der ersten Minute mehr Menschen gesehen als in den letzten 3 Tagen und hundertmal mehr Nicht-Japaner. Wobei: gerade in diesem Quartier hat es viele asiatische Nicht-Japaner, die hier leben, soweit ich das beurteilen kann.
Die Wanderung ist fürs erste fertig und mein Ego hat die Grösse einer Rosine, einer kleinen: Wenn man jeden Tag läuft, alles schmerzt, nichts so recht versteht, jeden Morgen und Abend fragend vor Automaten, Schalter, Speisekarten steht, und das noch in einem beeindruckenden Land wie Japan, passiert das zwangsläufig, man wird doch etwa demütig. Sehr gut!
Hier noch ein paar Schnappschüsse, die ich dann und wann mit dem Handy gemacht habe, sozusagen fotografische Erdnüsschen:
Stille
Ich war die letzten Tage in dem kleinen Städtchen Tomioka, im Gebiet der dreifachen Katastrophe von 2011, mit Erdbeben, Tsunami und dem Reaktorunfall.
Die Stadt wurde 2017 wieder zugänglich gemacht, bis da wurde alles aufgeräumt, entweder weil es nach dem Erdbeben und Tsunami zerstört war oder dann verstrahlt. Einzig ein Gebiet, das als Lagerstätte genutzt wird, ist noch gesperrt. Die Wiederansiedlung der Einwohner scheint ein langer Prozess zu sein, stolz zählt die Webseite des Ortes jede einzelne Seele, aktuell sind es 11’160. Fast jedes Haus hier ist neu, auch der Bahnhof, das Hotel. Schön, funktional gebaut, wie man es von Japan kennt, etwas verstreut, mit Lücken dazwischen, der eine oder andere Garten kommt bestimmt noch. Die Menschen sammeln sich um ein kleines Einkaufszentrum, mit einem Restaurant und es hat auch eine Schule, ein Gemeindezentrum mit Spielplatz (auch innen). Überall sind Geigerzähler, die Strahlendosis ist normal, wie bei uns.
Das lokale Museum ist wunderschön, beginnt mit der langen Geschichte der Region, zeigt den Aufstieg und dann die schlimmen letzten Jahre. Mit einigen Leuten hier konnte ich sprechen, alle sehr freundlich, positiv, man strengt sich an, von Defätismus keine Spur. Ich bin tief beeindruckt.
Ich bin dann weitergelaufen, durch ein Gebiet, das erst letztes Jahr wieder freigegeben wurde, berühmt für seine wunderschöne Allee von Kirschbäumen. Alles hier ist aufgeräumt, die Dekontaminierung abgeschlossen, aber Menschen sind selten, keine Schule, kaum Geschäfte (die aber sehr schön), es ist sehr still hier. Wohl hat es einige Häuser, meist auch neue, aber nur teilweise bewohnt: vielleicht noch nicht? oder schon wieder nicht? Daneben grosse Kiesflächen, Mahnmale der abgetragenen Häuser, auch Reisfelder, auch Brachland. Dreizehn Jahre sind eine lange Zeit.
Ich bin dann weitergelaufen, bis an die «Rückkehr-ist-schwierig-Zone», mit einem Schild:
Ab hier ist der Verkehr eingeschränkt
Wegen Rückkehr-ist-schwierig-Zone («Rückkehr» im Sinne von «Nach Hause zurückkommen»)
Straße gesperrt
Lokales Hauptquartier für nukleare Notfallhilfe
Stadt Okuma
An zwei Stellen ging es nicht weiter. Es gibt wohl eine Schnellstrasse, die quer durch diese Zone führt, die war aber nicht gut möglich zu laufen. Dann, an einer dritten Stelle, etwas im Westen, konnte ich bis zu einem Bahnhof laufen, der gerade an der Grenze zwischen der kürzlich freigegebenen und aktuell aufzuräumenden Zone liegt.
Auch hier breite, neue Strassen durch einsames Land, viel Kiesplätze und neue Häuser; auch verfallene, aber auch nicht mehr, als im restlichen Japan. Beim neuen Bahnhof dann ein anderes, hoffnungsvolles Bild: auf der einen Seite wird noch gearbeitet, auf der anderen steht bereits ein kleines elegantes Einkaufszentrum, mit viel Grün, ein Plakat zeigt stolz die grossen und kleinen Attraktionen der Region, auch ein Maskottchen, ein Bär, wartet schon geduldig.
Andere Gebiete, Wald, Bergland, kleine Weiler werden – auch wenn das nie jemand zugeben würde – wohl aufgegeben. Traurig, aber auch nachvollziehbar, wenn man sieht, mit welchem unglaublichen Aufwand die bisherigen 19 Quadratkilometer gereinigt wurden – und nach der langen Zeit auch immer weniger Menschen ihre Heimat vermissen werden. Es ist zum Weinen.
Nachträge
Gestern meinte ich noch, ich hätte keine Langstreckenwanderer gesehen, aber heute schon, mit Wanderstöcken, Rucksack und so. An einem doch sehr abgelegenen Ort, gleich beim Atomkraftwerk Fukushima II, also nicht dem havarierten, sondern dem nun seit vierzehn Jahren stillgelegten. Solche Begegnungen sind doch sehr selten: seit ich in Japan wandere, seit dreizehn Jahren, kann ich sie an einer (kleinen) Hand abzählen.
Nordwärts
Die letzten Tage war ich in Iwaki, dem zentralen Ort hier mit vielleicht dreihunderttausend Einwohnern:


Nach dem grossen Tsunami wurde an der Nordostküste Japans ein gewaltiger Damm gebaut, darauf findet sich manchmal ein Fuss- und Radweg, liebevoll gemacht. Radfahrer sehe ich etwa einen am Tag, Wanderer bisher noch keinen: Es wäre wahrscheinlich günstiger gekommen, jeden Einzelnen mit einer Sänfte durch Japan zu tragen, oder in einer Montgolfière zu fliegen. Aber für mich ideal, danke Japan!
Die Natur hier ist teilweise beinahe surreal schön: Die ersten beiden Bilder sind aus einer Höhle fotografiert, eher einem natürlichen Tunnel, der zwei Buchten miteinander verbindet. Es gab hier ausnahmsweise auch Touristen (drei).
Gewisse Orte sind regelrecht eingequetscht zwischen Damm und Stützmauern (gegen Erdrutsche, in ganz Japan eine Herausforderung) und der Fernstrasse. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Einwohner hier eingerichtet haben: Es gibt es immer wieder Oasen, hier ein kleines (neues) Café oder dort ein uraltes Restaurant, und doch – je weiter ich laufe, umso einsamer wird es, alles ist da, Strassen, Dörfer, gar Städtchen, aber Menschen sind selten, vor allem junge, und es ist sehr still. Ich ahne schon etwas.














































































































