Flow (2)

War heute noch in einem winzig kleinen Isakaya (居酒屋, sehr frei übersetzt Essen-Trinken-Spass). Alle sehr nett, habe die Karte nicht verstanden, dann gefragt, was Osusume (おすすめ, Empfehlung des Hauses) sei. Die Antwort habe ich auch nicht verstanden, und – gemäss dem Motto des heutigen Tages – bestellt.

Es war dann ein Fisch, den man teils roh, teils frittiert, komplett essen konnte. Hat sehr gut geschmeckt, überraschenderweise auch der Kopf. Es war auch anschliessend noch sehr nett, erstaunlich wie gut wir uns verstanden haben. Wie immer ohne Englisch; das hat (mit einer Ausnahme, eine Managerin eines kleinen Hotels, die auch im Ausland lebte) bisher niemand mit mir gesprochen.

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Flow

Erlebe schöne Tage: Die Wegen sind gut, muss einzig manchmal einen Tunnel oder eine gefährliche Stelle umlaufen, und so geht es etwas im Zick-zack. Heute hat mich ein Mann in seinem Lastwägelchen ein paar hundert Meter mitgenommen – es waren eigentlich nur drei, vier Kurven, aber unüberwindlich, sehr eng, schlicht kein Platz zum Laufen und dazu stark befahren. Für solche Gelegenheiten habe ich Postkarten aus der Schweiz dabei, die ich als Aufmerksamkeit geben kann. Oft bekomme ich etwas zurück, so scheint es in Japan Brauch: Kekse, etwas zu Trinken, eine Tomate.

Gestern war die Strecke etwas über 20 Kilometer; heute am Zielort war ich noch fit, und habe nochmals 10 Kilometer drangehängt, am Ende waren es dann 30 Kilometer. Bin im Fluss, alles fügt sich.

Die Stadt hier, Hamada, gepflegt, mit grossem Hafen und schönen Stränden, hat einen passenden Namen. Sie schreibt sich 浜田. Das zweite Zeichen steht unverkennbar für (Reis-)feld. Das Erste (浜, hama, Strand) besteht wiederum aus zwei Teilen, links zusammengequetschtes Wasser (氵, normal sieht es so aus: 水). Und rechts 兵, Krieger, oben Axt unten Beine. Mm, passt nicht so recht, oder? Ja, das 兵 sieht zwar aus wie das Zeichen für Krieger, ist aber eine vereinfachte Schreibweise von 賓 = Ehrengast.

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Hunde, die bellen, beissen

Auf einige Dinge könnte ich gerne verzichten: Wurde heute früh auf einer Nebenstrasse von drei Hunden verfolgt und auch gebissen. Nichts schlimmes, mehr Kratzer am Knöchel. Junko hat dann geholfen, und die Besitzerin des gestrigen Gasthauses, Danke! Zur Sicherheit war ich im Spital, alles Ok: In Japan gibt es keine Tollwut, und gegen alles andere sollte ich geimpft sein. Das Spital lag im heutigen Zielort, bin gleich da geblieben; Wunden lecken.

Alt und Neu

Gestern war Ruhetag in Hagi, habe da neue Schuhe gekauft, das bequemste Paar ausgesucht. Die sehen jetzt aus wie sie viele Senioren auf der ganzen Welt tragen. Die wissen was gut ist!

Mit denen ging es heute weiter. Etwas mehr als 25 Kilometer, es hat geregnet. Die Gegend hier ist einsam, einmal habe ich rund 3 Stunden, ausser einer Schlange, nichts und niemand gesehen; es hat Häuser und kleine Dörfer, aber man sieht selten Menschen, keine Läden oder gar Schulen. Ein Zug (er hat einen Wagen) fährt ein paar Mal am Tag, darin sitzen aber kaum Passagiere und die Bahnhöfe sind nicht besetzt oder in Stand gehalten. Es gibt Ausnahmen, klar, das Minshuku in dem ich heute untergekommen bin, ist ganz neu, sehr aufmerksam geführt und eingerichtet. Das WC (bzw. dessen Deckel) verbeugt sich wenn man den Raum betritt! Aber ein so neues Haus habe ich heute kein zweites Mal gesehen.

Zum Abendessen gab es viel frischen (Tinten-)fisch, gleich vor dem Haus geangelt. So frisch, dass er sich noch bewegt und die Haut ständig die Farbe gewechselt hat.

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Video des Abendessens

Business-Hotel

Es hat heute gestürmt; Laufen wäre ohnehin nicht gegangen. Der Zug, den ich nehmen wollte, ist daher ausgefallen, am Bahnhof hat man mich zusammen mit zwei anderen Gestrandeten, kurzerhand in ein Taxi gesteckt und das auch bezahlt.

Am Zielort war der Sturm noch stärker, bin ins Hotel, habe mir dort einen Regenschirm ausgeliehen, wollte etwas in der Stadt herumkriechen: Der Schirm ist mit der ersten Böe kaputtgegangen, meine liebe Kappe weggeflogen, ich dachte ins Meer, stand gerade auf einer Brücke. Etwa eine halbe Stunde später (in der Zwischenzeit einen netten Deutschen getroffen), wieder über die Brücke; geschafft, und sehe dort, in einem Strassengraben: die Kappe! Zurück im Hotel, dann im Zimmer: Was fehlt? die Kappe. Sie wurde glücklicherweise kurz darauf im Hotel gefunden.

Apropos Hotel: Japanische Business-Hotels – also solche mit Bett und meist für Geschäftsreisende, in der Nähe eines Bahnhofes – sind mir sehr lieb. Sie sind günstig (das hier kostet mit Frühstück etwa 60 Franken), haben winzige Zimmer, da steckt alles drin. Bei diesem durften sich die Einrichter ausgetobt. Das übliche: Bett und Dusche, dann viele Geräte: WC (beheizt etc.), Fön, Fernseher, Wasserkocher, Klimaanlage, Uhr, Kühlschrank.

Und weiter:

  • Ein Luftbefeuchter
  • Ein Gerät, in das man die Hausschuhe steckt, die dann irgendwie behandelt werden
  • Fernbedienung für Licht und Klimaanlage, und nochmal 3 leere Halter auf der anderen Seite des Bettes, wenn einem die Lage der Fernsteuerungen nicht behagt?
  • Ein „Amusement“-Set: so Metalldingelchen die man auseinandernehmen kann – man stelle sich mal vor, wie lange die in einem europäischen Hotel dort hängen würden…
  • Eine Dartscheibe!

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Nochmals versucht

Ich will die geneigte Leserschaft nur noch ein letztes Mal mit meinem medizinischen Status belästigen. Haben es heute nochmals versucht; um die Schmerzen etwas zu lindern bin ich sozusagen auf Zehenspitzen gelaufen, war keine gute Idee, jetzt tut wirklich alles weh. So sei es denn: Team Realität vertreten durch Haut, Fleisch und Knorpel gewinnt nach kurzem und fairem Kampf klar. Die Spieler Wille, Trotz und Stolz vom Team Plan geben sich geschlagen. Morgen nehme ich ein Taxi zum Bahnhof, und von dort den Zug zum nächsten gebuchten Hotel.

Aus obigen Gründen habe ich mich sehr auf ein heisses Bad gefreut. Aber oh weh, das Bad gab es und es war heiss. Doch bevor man da rein darf, muss man sich an einem Waschplatz blitzblank sauber schrubben. So ist es Sitte, so macht es Sinn. Nun hat es aber da kein heisses Wasser gehabt; kam einfach nichts raus, nur eisiges Bergwasser, so wie ich das sehe noch dazu gekühlt. Kalt war es! und so eine kurze Katzendusche ging nicht, das ganze Ritual musste es sein… Das schöne Hotelzimmer hat die Nummer 313, was kann man da schon erwarten? PS: In Japan ist 4 die Unglückszahl, da sie gleich ausgesprochen wird wie Tod. Die netten Japaner haben der armen Zahl dafür gleich noch eine zweite Aussprache gegeben.

Habe noch die Höhle hier besucht, ist die grösste in Japan. Schön!

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Füsse!

Gestern war es extrem, nach 25 Kilometer Schmerzen bei jedem Schritt, im Hotel dann der Schock als ich meine Füsse sah… keine Details. Heute dann nochmal 20 Kilometer. Warum tue ich mir das an?!

Alles andere ist gut: Wetter, Strecke, Hotels, Leute, heisse Bäder, Essen. Gestern gab es Fugu, Kugelfisch. Mit diesen Füssen macht es halt weniger Spass, man hat nicht mal Lust anzuhalten, um ein Foto zu machen, weil das Weiterlaufen dann schmerzt. Heute bin ich rund 5 Stunden gelaufen und nicht einmal hingesessen.

Letztes Mal war es ähnlich; am Anfang viel zu laufen ist keine gute Idee. Später dann sind 30, 40, gar 50 Kilometer täglich machbar, dann entscheidet nur noch der Kopf und Wille, nicht der Körper. Dieses Mal geht das nicht, es hat schlicht zu wenig Unterkünfte hier. Klar: Eine bessere Vorbereitung wäre auch hilfreich gewesen;)

Bin jetzt im Hotel, habe wieder Internet, weiss nicht so recht wie weiter, freue mich über Kleinigkeiten.

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Anstrengend

Ich ahnte, dass bei dieser Wanderung der Beginn nicht einfach sein wird. Habe es heute auch erlebt. Die Strecke war wieder nur 20 Kilometer, aber dazwischen ein spitziger, giftiger Berg; wobei nur 600 Meter hoch, vielleicht ist Hügel das bessere Wort, aber das tönt zu sanft für diesen Teufel. Dann noch das letzten Drittel auf einer stark befahrenen Hauptstrasse ohne Trottoir (was in Japan selten ist). Ist leider anstrengender als es tönt, man muss ständig den Verkehr im Auge behalten und immer wieder von der Strasse runter.

Aber, dann am Ziel, ein altes Ryokan, ein gemütliches Zimmer, ein gutes Essen, gleich ein heisses Bad – und alles ist vergessen. Naja, bis auf die Blasen (2 Stück, gross), die bleiben noch etwas.

Nachtrag: Im Bad habe ich einen sehr tätowierten Mann getroffen, sehr nett, haben ein bisschen geplaudert. Dass er im Bad ist, hat mich überrascht, Tattoos sind in vielen Bädern nicht erlaubt, auch nicht kleine, auch nicht bei Ausländern. In Japan werden sie mit den Yakuza assoziiert. Es gibt aber Pflaster, zum drüberkleben.

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Erster Tag

Die ersten 20 Kilometer bin ich gelaufen. Die Ausrüstung hat sich bewährt, der Körper gibt sich Mühe – habe noch keine Blasen.

Etwa auf halber Strecke schreit mich auf einmal meine Hose an: „Jishin! Jishin!“ Bin sehr erschrocken, obwohl, in Japan spricht ja alles zu einem: Das Bad (vor dem automatischen Wassereinlassen, damit man den Stöpsel nicht vergisst, und wenn alles parat ist), die Klimaanlage, die Reiskochmaschine, eben alles. Aber die Hose nicht, es war natürlich das Handy; obwohl ich es lautlos gestellt habe, zudem zeigte es eine Meldung auf dem Bildschirm, die ich nicht verstanden habe. Aber „Jishin“ schon, das heisst Erdbeben. Wusste nicht so recht was machen, von der nahen Stadt hörte man auch eine Durchsage über Lautsprecher. Passiert ist dann aber nichts, bzw. nur ein schwaches Nachbeben, wie es jede Stunde eines gibt. Beim Laufen merke ich sie kaum, im Hotel schon, genau jetzt beim Schreiben dieses Satzes bebt es etwa.

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